Q-Fieber-Infektionen vermeiden

Um den Geburtszeitpunkt besteht eine besondere Gefahr der Übertragung der Erreger des Q-Fiebers. Foto: Dr. Wilfried Adams
In Deutschland wird regelmäßig im Zusammenhang mit der Haltung von Schafen, aber auch Ziegen oder Rindern über das Auftreten von Q-Fieber beim Menschen berichtet. Meist handelt es sich dabei um sporadische Fälle. Sowohl der Q-Fieber-Ausbruch in unserer Region in Bad Sassendorf im Jahre 2003 als auch das aktuelle Geschehen in den Ziegen- und Schafbetrieben bei unseren niederländischen Nachbarn weisen auf die potentielle Gefahr hin, die vom Erreger des Q-Fiebers für die menschliche und tierische Gesundheit ausgeht.
Beim Q-Fieber (engl. Q = query = Frage, Zweifel) handelt es sich um eine meldepflichtige, bakteriell bedingte Infektionskrankheit, die durch „Coxiella burnettii“ hervorgerufen wird. Als Zoonose kann die Infektion auf natürliche Weise zwischen Wirbeltieren und Menschen übertragen werden. Exponierte Berufsgruppen sind primär Schäfer, Landwirte, Tierärzte oder Personen, die sich mit der Wollverarbeitung beschäftigen. Es ist bekannt, dass es besonders während der Hochträchtigkeit und im geburtsnahen Zeitraum bei den latent infizierten Wiederkäuern zu einer Reaktivierung der Erreger kommt.
In dieser sensiblen Phase infiziert sich der Mensch beispielsweise, indem er bei mangelnder Geburtshygiene erregerhaltige Partikel von Nachgeburtsteilen bzw. vom Fruchtwasser aufnimmt - sogenannte Schmierinfektion - oder Sekrete des Muttertieres oder der Lämmer als Aerosole bzw. nach dem Eintrocknen in Form von Staub einatmet.
Zecken spielen beim Q-Fieber ebenfalls eine Rolle und zwar als Vektoren und Erregerreservoir. Der Mensch infiziert sich dabei leicht durch das Einatmen des im Vlies der Schafe befindlichen, staubförmigen Zeckenkotes, vorzugsweise bei der Schafschur.
Die Infektion verläuft bei Wiederkäuern abgesehen von einzelnen Aborten, Frühgeburten, lebensschwachen Früchten oder unspezifischen Fruchtbarkeitsstörungen in der Regel ohne klinische Symptomatik.
Beim Menschen verläuft etwa die Hälfte der Coxiella-Infektionen klinisch unauffällig. Nach einer Inkubationszeit von 2-4 Wochen können sich infolge einer Schmier-, Staub- oder Tröpfcheninfektion schwache, Grippe-ähnliche Symptome einstellen, die auch ohne Behandlung nach ein bis zwei Wochen wieder abklingen. Ansonsten kommt es zu einem akuten Verlauf mit erhöhter Körpertemperatur - Fieber über 40°C -, trockenem Husten, Lungenentzündungen - sogenannten atypische Pneumonien-, Schüttelfrost, Muskel- und Kopfschmerzen. Beim chronischen Q-Fieber kann es über mehrere Jahre zu wiederholten Krankheitsausbrüchen kommen. In ca. 1% der Fälle beobachtet man nachhaltige Folgeschäden an Herz und Leber. Bei Schwangeren wird eine vertikale Übertragung auf den Fetus mit Gefahr des Auftretens von Frühgeburten beschrieben. Die akute Q-Fieberinfektion beim Menschen ist durch eine rechtzeitige, mehrtägige Behandlung mit einem geeigneten Antibiotikum beherrschbar und heilt folgenlos aus. Bei einer Entzündung des Herzbeutels oder der Herzinnenhaut wird eine Langzeittherapie erforderlich.
Behandlungen bei Nutztieren sind nur in Einzelfällen angezeigt. Aufgrund der starken Verbreitung des Erregers in der Nutztierpopulation sowie der permanenten Zeckenexposition ist ein Antibiotika-Einsatz bei latent infizierten Tieren nicht sinnvoll bzw. üblich. Coxiella-Impfstoffe sind in ihrer Wirkung umstritten und in Deutschland bisher nicht zugelassen.
In Anbetracht der möglicherweise verstärkten Ausbreitung - siehe Niederlande - empfiehlt das Referat Tiergesundheit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen folgende Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang bzw. Kontakt mit empfänglichen Wiederkäuern, also Schafen, Ziegen und Rindern:
- Das Ablammen bzw Abkalben sollte bei in der Nähe befindlicher Wohnbebauung in geschlossenen Ställen erfolgen, wobei die Stalltüren möglichst geschlossen gehalten werden.
- Muttertiere und Nachkommen sollten frühestens nach 14 Tagen aus dem Stall verbracht werden, d. h. Kontakt betriebsfremder Personen zur Herde sollte bis 14 Tage nach der Ablammperiode bzw. dem Abkalben unterbunden werden.
- Beim Umgang mit Nachgeburten, Lochialsekret und neugeborenen Tieren besteht auch für den Tierhalter in klinisch unauffälligen Herden ein schwer abzuschätzendes Infektionsrisiko, welches durch konsequente Geburtshygiene minimiert werden kann. Hierzu gehören u. a. eine saubere Einstreu und ggfls. eine Zwischendesinfektion der Ablamm-/Abkalbebuchten, eine regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Hände, ein sofortiges Entfernen von Totgeburten und Eihäuten aus dem Stall sowie eine Zwischenlagerung in Edelstahlbehältern oder Plastiktonnen bis zur Abholung durch die Tierkörperbeseitigungsanstalt. Keinesfalls sollte das potentiell infektiöse Material offen gelagert werden. Anschließend sind die Behälter unverzüglich zu reinigen und mit einem DVG-geprüften Desinfektionsmittel auf Aldehydbasis (mindestens 5%ige Lösung) zu desinfizieren.
- Bei Ausstellungen, Tagen der offenen Tür, Hoftagen und sonstigen Veranstaltungen mit Publikumsverkehr ist besonders darauf zu achten, dass
- keine Wiederkäuer im letzten Trächtigkeitsdrittel ausgestellt werden (Gefahr einer verfrühten Geburt mit Erregerausscheidung!).
- alle auszustellenden kleinen Wiederkäuer vorher gegen Ektoparasiten behandelt worden sind und nur Zecken-freie Schafe oder Ziegen zur Ausstellung kommen.
- Kontakte zwischen Menschen und unter 14 Tage alten Schaf-/Ziegenlämmern bzw. Kälbern vermieden werden.
- das zuständige Veterinäramt im Vorfeld frühzeitig informiert und in zu beachtende Maßnahmen einbezogen wird.